Volatilität eines ETFs – Die Kennzahl zur Messung des Risikos

Das Risiko beim Investieren kann als die Möglichkeit Verluste zu erleiden definiert werden. Wie riskant z.B. der S&P 500 Index ist wird mittels der Volatilität bestimmt. Die Volatilität misst die Abweichung von der historischen durchschnittlichen Rendite. Aktien großer Unternehmen erzielen seit 1970 eine durchschnittliche Rendite von ca. 8 % pro Jahr. Diese ist jedoch von Jahr zu Jahr stark schwankend. In einem Jahr kann der Kurs -30 % heruntergehen und in einem anderen Jahr +50 % zunehmen. Daher gelten Aktien als volatil.

Die Volatilität wird anhand einer statistischen Kennzahl bestimmt, der Standardabweichung. Diese misst anhand historischer Daten die wahrscheinliche Streuung der zukünftigen Rendite. Ein Wertpapier, dessen Rendite kaum von seiner durchschnittlichen (oder erwarteten) Rendite abweicht gilt als wenig riskant. Wertpapiere deren Rendite von Jahr zu Jahr volatil sind (und bei denen in einigen Jahren starke Verluste auftreten) gelten als riskant.

Wie hängen Risiko und Rendite bei einem ETF zusammen?

Rendite und Risiko sind unzertrennlich miteinander verbunden. Investoren, die höhere Risiken eingehen, erzielen in der Regel eine höhere Rendite. Eine der ausführlichsten Studien zu dieser Thematik wurde von Ibbotson Associates durchgeführt. Diese untersuchte die durchschnittlichen Renditen sowie die Volatilität der gängigen Assetklassen von 1926 – 2017.

Die Rendite kann auf zwei Arten ermittelt werden. Die erste ist der einfache Durchschnitt (arithmetisches Mittel) bei dem die jährlichen Renditen addiert und durch die Anzahl der Jahre geteilt werden. Allerdings spiegelt der einfache Durchschnitt nicht die tatsächliche Rendite für einen Investor über einen längeren Zeitraum wieder. Denn positive und negative Renditen wirken sich unterschiedlich aus. Wenn ein Kurs z.B. um 50% fällt muss er um 100% steigen um wieder am Ursprungspunkt zu sein.

Die tatsächliche Rendite wird anhand der durchschnittlich zusammengesetzten Rendite gemessen und ist bei volatilen Anlageklassen immer geringer als die einfache durchschnittliche Rendite.

Durchschnittliche Arithmetische RenditeDurchschnittliche zusammengesetzte RenditeStandard Abweichung
Aktien kleiner Unternehmen16,2%11,8%31,6%
Aktien großer Unternehmen11,9%10,0%19,8%
Langlaufende Unternehmensanleihen6,3%5,9%8,4%
Langlaufende Staatsanleihen5,9%5,5%9,8%
Mittelfristige Staatsanleihen5,2%5,1%5,6%
Kurzfristige Staatsanleihen3,4%3,3%3,1%
Inflation3%2,9%4,0%

Aktien kleiner Unternehmen (small company stocks oder small cap) erzielten historisch gesehen die höchste durchschnittliche Rendite. Jedoch war diese Rendite auch mit dem höchsten Risiko verbunden.

Wie beschrieben, misst die Standardabweichung die mögliche Streuung der zukünftigen Rendite und kann mit folgender Daumenregel für  einen Small-Cap-ETF  interpretiert werden:

Mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 66% liegt die Rendite eines Investors pro Jahr zwischen -15,2% (16,5% – 31,7%) und + 48,2% (16,5% + 31,7%). Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% liegt die Rendite bei -30,4% und 96,4%.

Im Gegensatz dazu schwankt die Rendite von US-Staatsanleihen sehr wenig. Jedoch ist dafür die durchschnittliche Rendite mit 3,4% p.a. geringer als bei den meisten Aktien.

Wie diversifiziere ich mein ETF Portfolio?

Moderne Portfoliotheorie

Die grundlegende Theorie hinter dem Portfolioaufbau mit ETFs ist die moderne Portfoliotheorie (engl.: modern portfolio theory). Durch deren Erkenntnisse ist es möglich, sein Risiko zu verringen und dabei  eine höhere Rendite zu erzielen. Die Theorie wurde 1950 von Harry Markowitz entwickelt und 1990 mit dem Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichnet.

Ein grundlegender Gedanke der modernen Portfoliotheorie ist, dass Investoren risikoscheu sind. Das bedeutet, dass ein Investor hohe Renditen und planbare Ergebnisse favorisiert. Im Kern beschreibt die Theorie, wie ein Investor durch Diversifikation seine angestrebte Rendite mit einem möglichst geringen Risiko erreichen kann.

Markowitz entdeckte, dass ein Portfolio mit riskanten (volatilen) Wertpapieren so zusammengesetzt werden kann, dass sie zusammen weniger risikoreich sind als deren Einzelwerte. Ein kleines Beispiel verdeutlicht, wie mittels Diversifikation das Risiko beim Investieren geringer wird:

Auf einer Insel gibt es zwei Unternehmen. Unternehmen 1 ist ein großes Resort mit Stränden, Tennis- und Golfplätzen. Das zweite Unternehmen ist ein Hersteller von Regenschirmen. Beide werden vom Wetter beeinflusst. Während einer sonnigen Saison macht das Resort gute Gewinne und der Regenschirmhersteller Verluste. Bei einer Regensaison kehrt sich das Szenario um. Unternehmen 1 macht Verlust und Unternehmen 2 Gewinn.

Folgende Tabelle zeigt die beispielhafte Rendite der zwei Unternehmen abhängig von der Saison:

RegenschirmherstellerResort
Regensaison50 %– 25 %
Sonnige Saison– 25 %50 %

Nehmen wir an, dass im Durchschnitt die Hälfte der Saisons sonnig und die andere Hälfte regnerisch sind. Die Wahrscheinlichkeit einer sonnigen oder regnerischen Saison liegt damit bei 50%). Ein Aktionär des Regenschirmunternehmens würde in der Hälfte der Jahre 50 % Gewinn machen und in der anderen Hälfte 25 % Verlust. Durchschnittlich würde er also 12,5 % Rendite erzielen. Ein Investment in das Resort würde die gleichen Ergebnisse liefern.

Der Haken ist aber, dass es mehrere sonnige oder regnerische Saison hintereinander geben kann. Somit ist es risikoreich in ein einzelnes Unternehmen zu investieren, da die Rendite von Jahr zu Jahr stark schwankend sein kann. Der Clou beim Diversifizieren ist, dass du in diesem Beispiel die Volatilität komplett eliminieren kannst indem du Aktionär beider Unternehmen wirst.

Diversifizierst du dein Investment und kaufst jeweils eine Aktie für 1€ machst du in der sonnigen Saison eine Rendite von 50 Cent mit dem Ressort, während du mit dem Regenschirmhersteller 25 ct Verlust machst. Deine Rendite liegt somit bei 25 ct, was einer Rendite von 12,5 % auf dein investiertes Kapital in Höhe von 2 € entspricht. Während einer Regensaison wäre es genau andersherum.

Dieses einfache Beispiel zeigt den grundlegenden Vorteil der Diversifikation auf. Unabhängig vom Wetter macht ein diversifiziertet Investor über beide Firmen in der „Inselökonomie“ immer 12,5 % Rendite. Beide Unternehmen für sich allein gesehen sind riskanter, da die Rendite ist von Jahr zu Jahr variabel sein kann.

Der Trick dahinter ist, dass beide Unternehmen gegensätzlich vom Wetter beeinflusst werden. Statistisch ausgedrückt besitzen beide Unternehmen eine negative Kovarianz. Für die reale Welt bedeutet das Folgendes: solange sich Unternehmen, Regionen oder Assetklassen durch wirtschaftliche Einflüsse unterschiedlich entwickeln, kann ein Investor durch Diversifikation sein Risiko verringern.

Natürlich ist die reale Welt nicht mit der kleinen Inselwirtschaft aus unserem Beispiel vergleichbar, bei der sich die Unternehmen komplett gegenläufig entwickeln. In der Praxis verläuft die Entwicklung oft in die gleiche Richtung. Während einer Rezension werden z.B. viele Menschen arbeitslos und können dadurch weniger konsumieren. Dies hat Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft und somit auf alle Unternehmen. Deshalb kannst du in der Praxis nicht mit einer totalen Risikoeliminierung rechnen.

Nichtdestotrotz entwickeln sich die Unternehmen, verschieden Anlageregionen sowie Assetklassen nicht immer parallel. Deshalb ist ein diversifiziertes Portfolio mit großer Wahrscheinlichkeit weniger riskant als wenn du z.B. lediglich in ein Unternehmen investiert.

Was ist der Korrelationskoeffizient?

Wie gleichläufig sich einzelne Assetklassen und z.B. Anlageregionen entwickeln, wird anhand des Korrelationskoeffizienten gemessen. Der Korrelationskoeffizient kann wie folgt interpretiert werden:

KorrelationskoeffizientWirkung der Diversifizierung
+1,0Keine Risikoreduzierung möglich
+0.5Moderate Risikoreduzierung möglich
0Umfangreiche Risikoreduzierung möglich
-0,5Die meisten Risiken können eliminiert werden
-1,0Alle Risiken können eliminiert werden

Eine negative Korrelation is dabei nicht notwendig um sein Risiko (also die Volatilität) zu verringen. Markowitz entdeckte, dass alles bis auf eine perfekte Korrelation das Potenzial hat, Risiken zu minimieren.

Korrelationskoeffizienten zwischen Anlageregionen und Assetklassen

Die Globalisierung führte zu einem Anstieg der Korrelationskoeffizienten zwischen Industriestaaten und Schwellenländern sowie zwischen Aktien und Rohstoffen. Die folgenden drei Diagramme zeigen, wie sich die Korrelationskoeffizienten über die ersten Jahrzehnte der 2000er Jahre entwickelten.

Die Grafiken illustrieren die Korrelationskoeffizienten zwischen  (1) US-Aktien (gemessen anhand des S&P 500-Aktienindex) und dem EAFE-Index der entwickelten Industriestaaten, (2) US-Aktien und dem breiten MSCI Emerging Market Index von Schwellenländern sowie (3) zwischen US-Aktien und dem Goldman Sachs (GSCI) Index eines Warenkorbs von Rohstoffen wie Öl, Metallen und dergleichen. Besonders beunruhigend für Anleger ist, dass die Korrelationen hoch waren, als die Märkte während der globalen Kreditkrise von 2007-09 fielen. Eine Ausnahme davon bildeten Anleihen: hier erzielten Investoren trotz Finanzkrise eine respektable Rendite.


Die Korrelation zwischen den verschiedenen Märkten hat zwar zugenommen, ist jedoch noch weit davon entfernt perfekt zu sein. Deshalb tendiert eine breite Diversifizierung dennoch dazu die Volatilität eines Portfolios zu verringern.

Selbst in Zeiträumen, in denen die unterschiedlichen Aktienmärkte im Gleichschritt auf und ab gehen, bietet Diversifizierung erhebliche Vorteile. Während der von Anlegern als „verlorenes Jahrzehnt“ bezeichneten ersten Dekade des 21. Jahrhunderts, beendeten die Aktienmärkte der entwickelten Länder (USA, Europa und Japan) das Jahrzehnt auf oder unterhalb ihres Niveaus als zu Beginn des Jahrzehnts. Während desselben Zeitraums haben Investoren, die ETFs von Emerging Markets im Portfolio hatten eine zufriedenstellende Rendite erzielt. Eine internationale Diversifizierung wäre somit von enormem Nutzen gewesen.

Anleihen haben ihre Funktion als Risikominderer im Portfolio stets unter Beweis gestellt. Die Grafik zeigt, wie der Korrelationskoeffizient zwischen US-Staatsanleihen und US-Aktien während der Finanzkrise 2008-09 gefallen ist. Selbst während dieser Zeit hat der breit diversifizierte Anleihen Index „Barclays Capital Broad Bond Index“ eine akzeptable Rendite von 5,2% p.a. erzielt.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Diversifikation einer der wichtigsten Bestandteile beim Portfolioaufbau ist. Die gilt sowohl für Assetklassen als auch Anlageregionen und spezifischen ETF-Merkmalen. Wie du dein Portfolio abhängig von deiner Altersklasse und Risikotoleranzen aufbaust erfährst du im Kapitel Asset Allocation.