Was ist ein Musterportfolio?

Die Erstellung eines eigenen ETF-Portfolios ist aufgrund der großen Auswahl an bestehenden ETFs (derzeit sind über 1.400 ETFs zum Handel in Deutschland zugelassen) nicht ganz einfach. Bei der Wahl der richtigen ETFs zum Vermögensaufbau müssen einige Punkte beachtet werden, um langfristigen Erfolg zu ermöglichen.

Es gibt jedoch Musterportfolios von bekannten Investoren und Wissenschaftlern, an denen du dich orientieren kannst. Im Folgenden stellen wir dir einige der bekanntesten Musterportfolios vor, letztendlich hängt deine Entscheidung aber immer von deiner individuellen Situation hab. Dein Liquiditätsbedarf, der Anlagezeitraum, die Risikotragfähigkeit und deine Renditeerwartung sind dabei die entscheidendsten Einflussfaktoren (Siehe Grundlagen Asset Allocation). 

Das Weltportfolio nach Gerd Kommer

Gerd Kommer ist ein deutscher Investmentbanker und verwaltet mit seiner eigenen Firma Vermögen ab einem Anlagevolumen von einer Million Euro. Er setzt dabei auf das passive Investieren mittels ETFs. Bekannt wurde Kommer unter anderem durch sein Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“, welches auf seiner Doktorarbeit basiert.

Seine Investmentstrategie mittels ETFs ist als Weltportfolio bekannt. Dieses basiert auf wissenschaftlichen Untersuchungen und verfolgt das Ziel durch eine breite Streuung in verschiedene Assetklassen das Risiko zu minimieren und gleichzeitig eine hohe Rendite zu erzielen.

Die Asset-Allocation des Weltportfolio nach Gerd Kommer findet in zwei Schritten statt. Die Level 1 Asset-Allocation teilt dein Vermögen in einen risikobehafteten und einen risikoarmen Teil auf. Je höher der Anteil an Aktien in deinem Portfolio ist, desto höher ist das Risiko. Die Auswahl des Risikos hängt dabei von deiner persönlichen Einstellung in Bezug auf Anlagedauer, Renditeerwartung und Bedarf an Liquidität ab.

Die folgende Tabelle gibt einen Auszug an Portfolios, die Gerd Kommer in seinem Buch beschreibt. Zu sehen ist die Aufteilung zwischen risikobehaftetem und risikoarmen Teil.

Portfolio-Nr.147911
Risikobehafteter Anteil (in %)
1007040200
Risikoarmer Anteil (in %)0306080100

Bei der Level 2 Asset-Allocation findet die Auswahl konkreter Indizes und ETFs statt. Kommer hat dafür verschiedene Varianten seines Portfolios aufgebaut. Diese gliedern sich in simple Varianten, die beispielsweise anhand eines MSCI All Country World Index nahezu den weltweiten Aktienmarkt abbilden, als auch komplexere Varianten, die Gebrauch vom Factor-Investing machen.

Im Folgenden nehmen wir beispielhaft Portfolio-Nr. 4 mit einem risikobehafteten Anteil von 70%.

Weltportfolio Variante 1

Dieses Portfolio ist einfach aufzubauen, da es nur aus zwei ETFs besteht.

Level 1-AllokationGewichtungBiespiel-ETFs für Level 2-Allokation
Risikobehafteter Anteil
70%MSCI ACWI IMI
Risikoarmer Anteil30%FTSE MTS Highest Rated Macro-Weighted Government Bond Index 1–3 Years, alternativ: Tagesgeld

Über den MSCI All Country World Index lässt sich lässt sich 98% des investierbaren Weltmarktes (inkl. Schwellenländer und Small Caps) abbilden. Der risikoarme Anteil des Portfolios kann beispielsweise aus einem Anleihen-ETF bestehen. Dabei solltest du auf eine breite Mischung des Index auf verschiedene Länder sowie eine hohe Bonität und geringe Restlaufzeit achten. Da beim risikoarmen Anteil der Fokus auf Liquidität und geringes Risiko gesetzt wird, lässt sich dieser Anteil alternativ auf einem Tagesgeldkonto anlegen.

Weltportfolio Variante 2

Bei der zweiten Variante des Weltportfolios nach Kommer werden der vorgestellten Variante 1 weitere Anlageklassen beigemischt. Der risikobehaftete Anteil (in unserem Beispiel 70%) wird dabei um Rohstoffe (5-10%), globale Immobilien-ETFs (5-10%) und Gold (5-10%) ergänzt. Der Anteil am MSCI ACWI verkleinert sich dementsprechend.

Level 1-AllokationGewichtungBiespiel-ETFs für Level 2-Allokation
Risikobehafteter Anteil (70%)59,5%MSCI ACWI IMI
3,5%Rohstoffe
3,5%Globale Immobilien-ETFs
3,5%Gold
Risikoarmer Anteil (30%)30%FTSE MTS Highest Rated Macro-Weighted Government Bond Index 1–3 Years, alternativ: Tagesgeld
Weltportfolio Variante 3

Das Weltportfolio in der dritten Variante setzt auf die Faktorprämien Small Size, Value, Political Risk, Momentum und Quality. Dies sind besondere Merkmale, die die Rendite einer Aktie beeinflussen. Der risikobehaftete Anteil (in unserem Beispiel 70%) wird dabei auf die genannten Faktoren aufgeteilt.

Level 1-AllokationGewichtungBiespiel-ETFs für Level 2-Allokation
Risikobehafteter Anteil (70%)14%MSCI World Small Cap-Index
14%MSCI World Value-Index
14%MSCI World Quality-Index
14%MSCI World Momentum-Index
14%MSCI Emerging Markets IMI-Index
Risikoarmer Anteil (30%)30%FTSE MTS Highest Rated Macro-Weighted Government Bond Index 1–3 Years, alternativ: Tagesgeld

Bei diesem Portfolio solltest du beachten, dass die ETFs zu über 50% aus Aktien aus den USA bestehen. Emerging Markets werden also untergewichtet.

Weltportfolio Variante 4

Beim Portfolio in der Variante 3 gibt es laut Kommer ein Problem: im Value-Index sind auch Mid- und Large-Cap Unternehmen mit dem Value-Merkmal enthalten. Ein Anleger hätte daher die Value-Prämie nur teilweise im Portfolio, das die Small-Cap Prämie nicht vollständig realisiert wird. Dieses Problem kann durch einen sog. Multi-Faktor-Index gelöst werden. Diese beinhalten Aktien von Unternehmen mit kleiner Marktkapitalisierung, gleichzeitig aber alle anderen Faktoren erfüllen.

Level 1-AllokationGewichtungBiespiel-ETFs für Level 2-Allokation
Risikobehafteter Anteil (70%)52,5%MSCI World Multifactor
17,5% MSCI Emerging Markets IMI
Risikoarmer Anteil (30%)30%FTSE MTS Highest Rated Macro-Weighted Government Bond Index 1–3 Years, alternativ: Tagesgeld

Auch bei diesem Portfolio werden Aktien aus den USA übergewichtet. Die Kosten für Multifaktor-ETFs ist geringfügig höher, dafür ist das Rebalancing des Portfolios einfacher. Weitere Beimischungen zu den Portfolios 3 und 4 können wie in Variante 2 mit Gold, Rohstoffen und Immobilien erfolgen.

Das Allwetter-Portfolio nach Ray Dalio

Eines der bekanntesten Portfolios ist das Allwetter-Portfolio von Ray Dalio. Ray Dalio ist der Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Associates. Er hat in den 90er Jahren ein Portfolio entwickelt, welches bei Wind und Sturm, also guten und schlechten Börsenzeiten, gut performen soll.

Ray Dalio hat das Portfolio in Aktien (30%), Staatsanleihen (55%), Gold (7,5%) und weitere Rohstoffe (7,5%) aufgeteilt.

Asset Allocation des Allwetter-Portfolio nach Ray Dalio

Ray Dalio legt den Schwerpunkt seines Portfolios mit einem Anteil von 55% auf Anleihen. Zudem setzt er einen Fokus auf Werte aus den USA. Nur 9 Prozent des Portfolios investiert in ausländische Märkte.

AnlageklasseGewichtung
Anleihen
US-Staatsanleihen (30 Jahre)40%
US-Staatsanleihen (10 Jahre)15%
Aktien
USA (Large Caps)18%
USA (Small-Caps)3%
Europa4%
Asien2%
Schwellenländer3%
Rohstoffe
Gold7,5%
Weitere Rohstoffe (gestreut)7,5%

Mehrere Finanzportale und Autoren haben die Performance des Allwetter-Portfolios zurückgerechnet. Die sog. Backtests haben trotz unterschiedlicher Betrachtungszeiträume eine betrachtliche durchschnittliche Rendite von bis zu 9,7% pro Jahr ergeben.

Berechnung vonZeitraumRendite
Tony Robbins1984 – 20139,7% p.a.
Ben Carlson1972 – 20139,5% p.a.
Ben Carlson1928 – 20137,2% p.a.
extraETF.com2014 – 20196,6% p.a.

Auch über einen langen Zeitraum hat das Allwetter-Portfolio von Ray Dalio sehr gut abgeschnitten. In den letzten Jahren liegt die durchschnittliche Rendite des Portfolios allerdings unter dem Niveau der Vorjahre. Ray Dalio nennt dafür einige Gründe, wie z.B. die Geldschwemme der Zentralbanken, das niedrige Zinsniveau sowie die Digitalisierung und Automatisierung aller Branchen.

Es ist daher schwierig zu beurteilen, ob sich das Allwetter-Portfolio auch in den zukünftigen Jahren behaupten wird. Ray Dalio hat bereits angemerkt, dass in Zukunft durch das schwierige Marktverhältnis eine andere Allokation der Assets, z.B. mit einem größeren Anteil an Gold, von Nöten sein kann. Kritisch zu beurteilen ist zudem der überproportionale Anteil an US-Werten im Hinblick auf die positive Entwicklung der asiatischen Märkte in den letzten Jahren.

Die Life-Cycle Portfolios nach Burton G. Malkiel

Burton G. Malkiel ist ein US-amerikanischer Ökonom und Schriftsteller. Er war langjähriger Direktor der Vanguard Group, einer der bekanntesten ETF-Anbieter und ist bekannt für sein Buch „A random walk down Wall Street“.

Malkiel teilt seine Portfolios nach dem jeweiligen Alter des Investors in vier Gruppen auf. Dabei legt er einen Fokus auf den US-amerikanischen Markt.

Life-Cycle Portfolios nach Burton G. Malkiel

Malkiel verteilt seine Portfolios auf Aktien, Anleihen, Immobilien und einen geringen Cash-Anteil. Der Aktienanteil überwiegt vor allem in den ersten beiden Lebensphasen deutlich. In der zweiten Lebenshälfte steigert sich der Anleihenanteil zunehmend, das Risiko wird dadurch geringer.

Life-Cycle Portfolios nach Burton G. Malkiel

Fazit zu ETF-Musterportfolios

Bei den gezeigten Musterportfolios ist sofort zu sehen, dass auch bekannte Investoren und Finanzwissenschaftler unterschiedliche Strategien verfolgen. Jede gezeigte Zusammensetzung lässt sich nur für die Vergangenheit beurteilen und ob deine individuelle Portfoliozusammensetzung Sinn macht, lässt sich erst in 20 oder 30 Jahren beurteilen. Die perfekte Asset Allocation gibt es nicht, die Musterportfolios dienen aber zu deiner groben Orientierung.