Muss man bei ETFs Steuern bezahlen?

Das Thema Steuern bei ETFs ist gar nicht so kompliziert wie viele denken, da meist alles automatisiert abläuft und die Steuern vom Broker oder direkt vom Fondsandbieter abgeführt werden. Steuern mindern jedoch deine Rendite und sind daher als Teil deiner Finanzbildung nicht zu verachten.

Welche Steuern fallen bei ETFs an?

Steuern fallen nur an, wenn Kapitalerträge, also Gewinne erzielt werden. Ein Anleger kann auf drei Arten Kapitalerträge erzielen: durch Dividenden, Zinszahlungen oder beim Verkauf eines ETFs mit Kursgewinn.

Die Kapitalertragssteuer beträgt 25% zuzüglich Solidaritätszuschlag (5,5% der Kapitalertragssteuer). Falls du ein Kirchmitglied bist fällt zusätzlich die Kirchensteuer an (8 oder 9% der Kapitalertragsteuer). Somit muss ein Anleger auf seine Kapitalerträge 26,375 % (bzw. 28,375% / 28,625%) Steuern bezahlen.

Gibt es einen Sparerpauschbetrag bei ETFs?

Es gibt jedoch einen Freibetrag, den sog. Sparerpauschbetrag, bis zu dem auf Kapitalerträge keine Steuern gezahlt werden müssen. Die Höhe beträgt:

  • 801€ bei Einzelpersonen
  • 1602€ bei verheirateten Paaren

Auf alle darüberhinausgehenden Kapitalerträge fällt die Kapitalertragssteuer i.H.v. 26,375% an.

Wichtig: um den Sparerpauschbetrag in Anspruch nehmen zu können, musst du einen Freistellungsauftrag bei deinem Broker oder deiner Bank einrichten. Dies geht bei den meisten Online-Brokern mit wenigen Klicks. Der Freibetrag von 801€ kann auch auf mehrere Broker/Banken aufgeteilt werden.

Werden ETFs nach dem Zuflussprinzip besteuert?

Die Kapitalertragsteuer ist eine Quellsteuer, d.h. sie wird direkt an der Quelle erhoben. Arbeitnehmer bekommen z.B. ihr Nettogehalt überwiesen, die Sozialabgaben sowie Steuern werden dabei direkt vom Arbeitgeber an das Finanzamt abgeführt. Bei ETFs ist das genauso: sobald du Kapitalerträge erzielst, überweist der Broker die anfallende Steuerlast direkt an das Finanzamt, falls kein Freistellungsauftrag besteht.

Was ist die Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs?

Bei thesaurierenden ETFs gilt eine besondere Regelung. Da diese ihre Kapitalerträge direkt reinvestieren, fällt bei dieser Art von ETFs eine sog. Vorabpauschale an. Das Ziel der Vorabpauschale ist es, ausschüttende und thesaurierende Fonds steuerlich ungefähr gleich zu stellen.

Ein thesaurierender ETF erhält z.B. Dividenden und reinvestiert diese wieder in den ETF. Die Dividenden werden also nicht an dich ausgeschüttet. Dadurch hatten diese ETFs vor der Steuerreform 2018 einen sogenannten Steuerstundungsvorteil, da die Kapitalertragssteuer erst bei erzieltem Gewinn, also beim Verkauf, anfallen. Durch das Ausbleiben der Steuerbelastung wurden thesaurierende ETFs gegenüber Ausschüttenden bevorzugt, da dieses Geld in dem ETF weitere Rendite erzielt hat.

Um diesen Vorteil aus der Welt zu schaffen, wurde die Vorabpauschale eingeführt. Diese Pauschale fällt vorab an, sind also als Steuern innerhalb der Laufzeit anzusehen. Diese Pauschale ist i.d.R. sehr niedrig, wird automatisch abgebucht und kann mit dem Pauschfreibetrag verrechnet werden. Die Berechnung der Vorabpauschale ist etwas komplizierter. Für mehr Infos dazu kannst du dir diesen Artikel durchlesen.