Nachteile und Risiken von ETFs

ETFs erfreuen sich bei Anlegern immer größerer Beliebtheit. Sie sind günstiger als aktiv gemanagte Fonds und gleichzeitig risikoärmer als Aktien. Mit ETFs kannst du eine stattliche Rendite und Risikostreuung erzielen, gleichzeitig sind sie aber keine risikolose Form der Geldanlage. Welche Nachteile und Risiken ein Investment in ETFs mit sich bringt und ob diese wirklich immer bestehen, erklären wir dir im folgenden Artikel.

  1. Nachteile von ETFs
    1. ETFs sind teurer als Aktien
    2. ETFs erzielen nur eine durchschnittliche Rendite 
    3. ETFs versagen im Crash 
    4. ETFs haben kein Stimmrecht
  2. Risiken von ETFs
    1. Allgemeines und spezielles Marktrisiko von ETFs
    2. Kursrisiko
    3. Wechselkursrisiko
    4. Marketingfallen
  3. Fazit

Nachteile von ETFs

ETFs sind teurer als Aktien

Wenn du einzelne Aktien kaufst, so haben diese im Gegensatz zu ETFs keine laufenden Kosten, egal wie viele Aktien du kaufst. ETFs verlangen hingegen eine jährliche Gebühr für die Abbildung eines Index (i.d.R. zwischen 0,1 – 0,5%), die sich direkt auf deine Rendite auswirkt. 

Möchtest du allerdings ein breit gestreutes Portfolio aufbauen, also eine Vielzahl unterschiedlicher Aktien kaufen, so ändert sich die Kostenstruktur zugunsten von ETFs. Beim Kauf von Aktien und ETFs fallen nämlich sog. Ordergebühren an. Möchtest du also beispielsweise alle Aktien aus dem DAX kaufen, so würden 30 mal Ordergebühren anfallen. Bei einem ETF der den DAX abbildet (z.B. iShares Core DAX ETF), fallen diese Gebühren nur einmal an.

Solange du breit diversifizieren möchtest, lohnt es sich also in kostengünstige ETFs statt Einzelaktien zu investieren. Auch im Vergleich zu aktiven Fonds sind ETFs deutlich günstiger.

ETFs erzielen nur eine durchschnittliche Rendite 

Da du mit einem breit gestreuten ETF in viele verschiedene Aktien investierst, gehst du mit dem Markt mit. Betrachtet man beispielsweise einen MSCI World ETF (https://capitalgurus.eu/frontpage-article/msci-world-etf-der-beste-etf-fuer-ein-investment), so investierst du dein Geld in über 1.600 Unternehmen weltweit. Unter diesen Werten befinden sich sowohl Gewinner-, als auch Verliereraktien. 

Das bedeutet, dass du eine Rendite erzielen kannst, die „nur“ dem Marktdurchschnitt entspricht. Bei einem Investment in einen MSCI World ETF (z.B. iShares Core MSCI World ETF) lag die durchschnittliche Rendite in den letzten 50 Jahren allerdings bei beachtlichen 7,2% pro Jahr.

Zudem muss man zwischen der Brutto- und der Nettorendite eines Investments differenzieren. Die Bruttorendite ist die Rendite, die du erreichen kannst, ohne die anfallenden Kosten wie Order- oder Verwaltungsgebühren abzuziehen. Die Nettorendite ist hingegen um Kosten bereinigt.

Der Ansatz des passiven Investierens mittels ETF sieht im Gegensatz zum aktiven Trading vor, möglichst wenig zu handeln. Dadurch werden die Kosten auf ein Minimum reduziert und somit oft eine höhere Nettorendite erzielt als mit aktivem Handeln.

ETFs versagen im Crash 

Ein häufig angeführtes Argument die gegen das Investieren in ETFs spricht, ist das Einstürzen der ETF-Kurse während eines Crashs wie zum Beispiel im Zuge der Corona-Krise. Vor allem aktive Fondsmanager und Aktienhändler führen dieses Argument an und behaupten, dass durch den Verkauf von Werten und dem Kauf von Werten zu günstigen Zeitpunkten mehr Rendite erzielt werden kann. 

Das Erzielen einer überdurchschnittlichen Rendite während einer Crash-Phase ist theoretisch möglich, praktisch jedoch schwer umsetzbar. Zum einen müsste man den Eintrittszeitpunkt des Crashs bereits im Voraus wissen, zum anderen bedarf es dann einem exakten Market-Timing, also dem Verkauf der Werte zum bestmöglichen Zeitpunkt (hohe Kurse) und dem Kauf zum bestmöglichen Einstiegsmoment (niedrige Kurse). Dass diese beiden Faktoren in der Realität nicht vorhersehbar oder beeinflußbar sind, entkräften also das Argument.

Zudem widerspricht das aktive Handeln dem Grundsatz des passiven Investierens mittels ETFs. ETFs zielen auf eine langfristige Anlage mit möglichst geringen Kosten ab. Bei einem langfristigen Investment oder regelmäßigen Einlagen mittels Sparplänen gibt es daher kein Market-Timing, also keinen „richtigen“ Ein- und Ausstiegszeitpunkt.

ETFs haben kein Stimmrecht

Im Gegensatz zu Aktien hast du mit dem Kauf von ETFs kein Mitspracherecht in Unternehmen. Da die ETF-Anbieter die Aktien kaufen, erlangen sie das Stimmrecht der im ETF enthaltenen Aktien. Dieses Argument kann angeführt werden, als Kleinanleger ist dein Stimmrecht als Aktionär jedoch sehr gering. Bei einem Investment in ETFs geht es dir primär nicht um das Mitspracherecht in Unternehmen, dennoch kannst von einem maßgeblichen Vorteil von Aktionären profitieren: wenn das Unternehmen eine Dividende ausschüttet, profitierst du mittels eines ETFs ebenfalls davon.

Risiken von ETFs

Allgemeines und spezielles Marktrisiko von ETFs

Trotz der Diversifikation von ETFs sind sie einem allgemeinen Marktrisiko ausgesetzt. Zum allgemeinen Marktrisiko zählen zum Beispiel Änderungen der konjunkturellen Lage oder politische Veränderungen wie Wahlen oder neue Gesetze. Auch Naturkatastrophen (z.B. Tsunamis) oder Pandemien (z.B. Corona-Virus) zählen zu den Einflussgrößen. Diese wirken sich negativ auf die Indizes und darauf basierenden ETFs aus.

ETFs werden aber nicht nur von allgemeinen Marktrisiken beeinflusst, sondern auch von speziellen Marktrisiken. Wenn du in einen ETF investierst, entscheidest du dich immer für einen speziellen Index (z.B. MSCI World), einen bestimmten Markt (z.B. Asien) oder eine Branche (z.B. IT). Ergeben sich Veränderungen spezifisch zu einem dieser Aspekte, wie beispielsweise neue Regularien zum Datenschutz in der Techbranche in Europa, so wirken sich diese Neuentwicklungen auch auf die ETFs aus. Zu diesen Risiken zählen auch Managementwechsel, Nachrichten zu einem bedeutenden Marktteilnehmer (wie beispielsweise Apple als eins der wertvollsten Unternehmen weltweit) oder spezielle Gesetze und Rahmenbedingungen.

Kursrisiko

Kritiker von ETFs warnen davor, dass es bei der Investition in Indexfonds zu starken Verlusten kommen kann. ETFs bilden einen ausgewählten Basisindex nach und entwickeln sich demnach fast parallel zu diesem Index. Das Risiko sinkender Kurse steigt mit der Höhe der möglichen Rendite. Weniger risikoreich sind demnach Anleihen-ETFs. Aktien-ETFs unterliegen höheren Kursschwankungen, da diese Aktienindizes nachbilden. Das Verlustrisiko sollte deshalb nicht vernachlässigt werden. Die richtige Wahl der ETFs und ein langfristiger Anlagezeitraum reduzieren das Risiko aber erheblich. 

Wechselkursrisiko

Sobald man als Anleger in einen ETF investiert, der Wertpapiere in einer Fremdwährung enthält, so besteht ein Wechselkursrisiko. Im schlimmsten Fall mindert ein ungünstiger Wechselkurs zum Verkaufszeitpunkt deine Rendite. Dieses Risiko kann durch währungsgesicherte ETFs umgangen werden. Diese kosten meist 0,1 – 0,3% mehr als normale ETFs. Wenn du dein Geld jedoch langfristig anlegst (d.h. länger als 10 Jahre), dann gleichen sich die Wechselkurse in der Regel meist aus. Zudem sind Unternehmen in vielen Aktien-ETFs global aufgestellt, sie kaufen und verkaufen ihre Waren und Dienstleistungen also in verschiedenen Währungen und sichern sich zusätzlich gegen große Schwankungen ab. Dies vermindert das Wechselkursrisiko der meisten ETFs zusätzlich.

Marketingfallen

Sowohl bei einzelnen ETFs als auch bei der Wahl des Depotanbieters solltest du auf einige Marketingfallen achten. So gibt es Anbieter, die mit kostenlosen Depots oder Sparplänen werben, dies aber nur für einen bestimmten Zeitraum oder bestimmte ETFs gilt. Zudem solltest du bei der Wahl des „richtigen“ ETFs darauf achten, dass du auf eher etablierte Indexfonds setzt. Es existieren nur wenige ETF-Anbieter, die einen Großteil des Marktes ausmachen, weshalb neue Anbieter mit innovativen Produkten werben (z.B. Hebel-ETFs). Meist sind diese ETFs nicht lange beständig, weshalb du bei der ETF-Auswahl darauf achten solltest, dass der ETF schon einige Zeit besteht und ein gewisses Fondsvolumen aufweist.

Fazit zu ETFs

Wie im Artikel beschrieben gibt es einige vermeintliche Nachteile von ETFs, die bei genauerem Hinsehen jedoch deutlich entkräftet werden können. Die Risiken die bei einem Investment in ETFs bestehen, sollten bei der Bewertung der eigenen Risikobereitschaft mit in Betracht gezogen werden. Einige der genannten Nachteile und Risiken können durch einen strategischen Portfolioaufbau und langfristigem Investieren nahezu auf Null reduziert werden.